Forschung

Bei einigen Aarskog-Scott Syndrom Patienten konnten mit Hilfe der Zytogenetik Chromosomenbrüche des X-Chromosoms diagnostiziert werden. Durch diese Brüche war es möglich die Region des vermeintlichen Krankheitsfaktors auf dem X-Chromosom näher einzugrenzen. So dass schließlich im Jahr 1994  Noe German Pasteris im Labor von Jerome L. Gorski am Institut für Humangenetik an der Michigan State University in Ann Arbor (USA) den FGD1-Lokus im Bereich Xp11.21 als Krankheitsfaktor für das Aarskog-Scott Syndrom entdeckte. Er konnte in dieser Studie zeigen, dass eine weitere Familie mit Aarskog-Scott Syndrom eine Punktmutation im FGD1-Lokus aufwies. Die Genetik des Aarskog-Scott Syndroms schien gelöst zu sein...

 



Seit den ersten Berichten über das Aarskog-Scott Syndrom durch Aarskog und Scott Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts konnten mehrere Patienten phänotypisch anhand der Krankheitsmerkmale dem Syndrom zugeordnet werden. Die Analyse der Familienstammbäume ergab jedoch kein eindeutiges Vererbungsmuster.

Die meisten dokumentierten Betroffenen wiesen eine X-chromosomale Vererbung auf, wodurch ein Faktor auf dem X-Chromosom postuliert wurde. Daneben gab es aber auch Fälle mit autosomal dominanter Vererbung. In diesen Studien wurde betont, dass vermutlich mehrere Krankheitsfaktoren zu den Krankheitssymptomen führen können, wovon einer, oder einige, auf dem X-Chromosom und ebenso einer, oder einige, auf Autosomen liegen müssen.

Nach der Entdeckung des FGD1 im Jahr 1994 wurde der Fokus auf die X-chromosomale Vererbung und das gefundene Krankheitsgen gelegt. Andere Patientenstudien sind seit dieser Zeit nicht mehr publiziert worden. Auch die medizinischen Bücher, die sich mit Syndromen beschäftigen, führen FGD1 als Krankheitsursache des AAS auf und erwähnen die Heterogenität in der Regel nicht. Vermutlich hängt dies damit zusammen, dass die meisten dieser Artikel von der besagten Gruppe um Gorski geschrieben wurden.

In späteren europäischen Studien, die in Italien durchgeführt wurden, konnte gezeigt werden, dass nur eine Minderheit der AAS-Patienten tatsächlich FGD1-Mutationen aufweist. Es wurden insgesamt ca. 50-100 Patienten untersucht, wobei lediglich ca. 20-25% eine Mutation im FGD1-Lokus zeigten. Diese Minderheit unterschied sich phänotypisch nicht von der Mehrheit ohne Mutation im FGD1-Gen. Es lässt sich anhand der Krankheitsmerkmale nicht vorhersagen, ob der jeweilige Patient eine FGD1-Mutation trägt oder nicht.

Literatur über das Aarskog-Scott Syndrom, die sich nur dem FGD1-Gen widmet ist deshalb sicher eher kritisch zu sehen. Auch die X-chromosomale Vererbung muss, bei fehlender FGD1-Mutation, nicht zwingend zutreffen. Ist keine Veränderung im FGD1-Lokus nachweisbar, liegen aber entsprechenden Krankheitsmerkmalen vor hat der Betroffene mit großer Sicherheit das Aarskog-Scott Syndrom. Leider lassen sich ohne Stammbaumanalyse jedoch keine zuverlässigen Aussagen über die Vererbung machen. Nur für Patienten mit FGD1-Veränderung ist eine molekular gesicherte Vorhersage über das Vererbungsmuster möglich.