Klinik des Syndroms

Nachweismethoden für das Aarskog-Scott SyndromMeist wird das Aarskog-Scott Syndrom beim Patienten anhand der phänotypischen Krankheitsmerkmale bestimmt. Ist dies geschehen wird versucht die molekulare Grundlage und damit das Vererbungsmuster zu entschlüsseln. Hierfür wird eine molekulare Analyse mittels PCR und Sequenzierung des FGD1-Lokus (Exone und Introngrenzen) durchgeführt. Bei Verdacht auf das Syndrom gibt es für das ungeborene Baby im Mutterleib die Möglichkeit einer Ultraschalluntersuchung. Alle drei Möglichkeiten sollen im Folgenden beschrieben werden.

 

1. Bestimmung phänotypischer Krankheitsmerkmale

 

Wie im Unterpunkt Symptomatik beschrieben sind beim Aarskog-Scott Syndrom viele Krankheitsmerkmale beschrieben. Hiervon werden einige Merkmale in eine Gruppe der primären Krankheitsmerkmale zusammengefasst. Anhand dieser Merkmalsliste bestimmt der Arzt, ob das Syndrom vorliegt. Zusätzlich gibt es noch sekundäre Krankheitsmerkmale, die ebenfalls zur Diagnose mit hinzugezogen werden.

primäre Krankheitsmerkmale:

  • Hypertelorismus (erweiterter Augenabstand)
  • Kurze, nach vorne gebäugte Stupsnase
  • Niedrige Lippenfalte
  • Schwimmhäute zwischen den Fingern
  • Minderwuchs
  • Schalskrotum
  • Kurzer fünfter Finger
  • Klinodaktylie (seitliche Abknickung eines oder mehrerer Finger- oder Zehenglieder)

sekundäre Krankheitsmerkmale:

  • spitzer Haaransatz
  • hängendes Augenlied
  • antimongoloide Lidachsen (die Lidachsen fallen zur Seite hin ab)
  • dysplastische Ohren
  • Übergelenkigkeit
  • breite Füße mit wulstigen Zehen
  • Kryptorchismus (Hodenhochstand)
  • Leisten- oder Bauchnabelbruch

 

2. Molekulare Analyse des FGD1-Gens auf dem X-Chromosom

Wurde anhand mehrerer Krankheitssymtome phänotypisch das Aarskog-Scott Syndrom diagnostiziert, wird versucht die molekulare Ursache abzuklären. Hierzu werden die einzelnen Exone (mit Introngrenzen) des FGD1-Gens mit Hilfe der PCR-Technik ampifiziert und anschließend sequenziert. Durch diese Methodenkombination lassen sich alle Mutationen nachweisen, auch bisher unbekannte. Dies können Insertationen von Basenpaaren, Deletionen von Basenpaaren oder einfache Basenaustäusche sein.

Aber es ist anzumerken, dass im Fall des Aarskog-Scott-Syndroms keine Mutation in FGD1 vorhanden sein muss! Auch ein Patient, der phänotypisch typische Merkmale des Syndroms aufweist und keine Mutation im FGD-1-Gen besitzt leidet am Aarskog-Scott-Syndrom! Leider ist die Forschung hier noch nicht soweit, als dass sie andere mögliche mutierte Gene in Betracht ziehen könnte, wenn FGD1 keine Mutation trägt. Auch ist eine Aussage über die Vererbung durch molekulare Analysen nur möglich, wenn tatsächlich in FGD1 eine Mutation vorliegt. Liegt hier keine Mutation vor hilft nur eine Stammbaumanalyse

 

3. Pränatale Ultraschalluntersuchung

Sepulveda et. al. beschrieben 1999 eine Ultraschalluntersuchung mit der das Aarskog-Scott Syndrom bereits in der 28. Schwangerschaftswoche nachgewiesen werden konnte. So wies der Fötus ein zervikales Hygrom (ausgeprägte Flüssigkeitgeschwulst), kurze Röhrenknochen, Hypertelorismus (erweiterter Augenabstand), Wirbeldefekte und Fingeranomalien auf. Diese Merkmale sind jedoch auch bei anderen Syndromen, wie etwa dem Noonan-Syndrom, Robinow-Syndrom oder auch dem Opitz-Syndrom zu beobachten. Folgerichtig wird diese Methode in der Literatur kritisch diskutiert und kann lediglich als Anhaltspunkt dienen.